Im Tattoostudio- Über das Massenphänomen des Körperschmückens

Zu Besuch im Tattoostudio „Classic Tattoo“ in Berlin-Prenzlauer Berg. Was in der „Welt der Tattoos“ gerade so angesagt ist und was Experten dazu erzählen.

Vitrine im "Classic Tattoo"
Vitrine im „Classic Tattoo“

Der Eingangsbereich ist gemütlich, überall sieht man Bilder an den Wänden, die einen mit ihren bunten Farben in eine andere Welt entführen. Am Theken-Tisch gibt es eine Vitrine, wo einem so viele verschiedene Piercing-Ringe und Glitzersteinchen entgegen funkeln, dass man sofort Lust auf ein Piercing bekommt. Die große Couch im Wartebereich lädt zum „Chillen“ ein. Dort kann man sich in Ruhe Motive anschauen oder sich mit den Zeitschriften einfach nur auf andere Gedanken bringen- und die Nervosität vor dem Tattoo vertreiben.

Wir befinden uns im Tattoo-Studio „Classic Tattoo“ in Berlin-Mitte, in einem von vier Shops der Berliner Kette. In drei Shops wird tätowiert und gepierct, in einem nur gepierct. 17 Mitarbeiter beschäftigt die Firma schon, davon zehn Tätowierer, drei Piercer und vier sogenannte „Shopguides“. Bekannt ist der Shop auch durch die DMAX-Doku-Soap „Berlin sticht zu“.

Die Tür öffnet sich. Ein junger Mann kommt herein. Er ist groß, stämmig und hat einen Bart. Am Eingangsbereich steht Fabian. Er ist erst 27 Jahre alt und schon Shopmanager. „Guten Tag, was kann ich für dich tun?“ sagt er freundlich. Dass jeder geduzt wird, ist ganz normal-  dann fühlst du dich als Kunden gleich wie zuhause. „Ich habe mir vor 15 Jahren ein Tattoo stechen lassen und möchte es ein bisschen verschönern, was kann man denn daraus machen?“, fragt der Mann und zieht seinen Jackenärmel hoch.

Ein Laie würde auf dem kräftigen Oberarm nur einen schwarzen Kreis erkennen, der ungleichmäßig mit schwarzen Farbflecken gefüllt ist. Doch ein Experte sieht mehr darin. „Der Sensemann ist viel zu klein, er sieht eher aus wie ein Baumstamm. Wenn du möchtest, können wir seitlich Flammen einfügen, damit das Ganze größer wirkt und nach etwas aussieht. Denn du bist ja auch nicht gerade zierlich!“ sagt Fabian ganz relaxed. Ehrlich und auf den Punkt. Das scheint auch dem Kunden zu gefallen, er möchte gleich einen Termin vereinbaren. Auch die drei Mädels, die in der Warte-Lounge sitzen, scheinen gute Laune zu haben, denn sie unterhalten sich vergnügt und lächeln.

Tattoos und Piercings sind so angesagt wie nie. Vor allem die 15- bis 35-Jährigen lassen sich gerne stechen oder „verschönern“. „Männer lassen sich relativ häufig Schriftzüge tätowieren, Frauen stehen eher auf florale Blumenmuster und Tribal-Mixes“, erklärt Shopmanager Fabian. „Doch man kann sich auf nichts festlegen was die Vorlieben betrifft, die sind bunt gemixt. Jeder hat eine eigene Vorstellung von seinem zukünftigen Tattoo.“

Auch sogenannte „Scarifications“ werden immer beliebter. Das sind Muster, die in die Haut geritzt werden. Sie sehen aus wie Narben und sind „farblos“.

Ansger, – Piercer und Bodymodder-, klärt uns über die Welt der Piercings auf. „Es gibt alle erdenklichen Stellen, wo sich Leute gerne piercen lassen. Auch im Intimbereich. Doch die meisten lassen sich am Ohr, an der Oberlippe oder am Bauchnabel stechen. In den letzten drei Jahren ist auch das sogenannte „Microdermal“ sehr beliebt. Das ist ein kleines Steinchen, was auf der Haut zu sehen ist. Befestigt wird es als Halb-Implantat unter der Haut. Einige nehmen es als Ersatz für einen Leberfleck im Gesicht. Aber auch zwischen den Brüsten wird es gern getragen.“

Auf die Frage, wie es denn mit den Schmerzen beim Kunden während des Piercens oder des Einritzens der Scarifications aussieht, antwortet er gelassen: „Generell ist das Schmerzempfinden bei jedem anders. Bei den Scarifications tut es am meisten an Stellen weh, an denen sich die meisten Nerven befinden, wie zum Beispiel am Gesicht, an den Rippen und am Brustkorb. Doch wenn man das Ergebnis sieht, ist alles vergessen!“

Ansger wird gebeten, sein schönstes Erlebnis seiner Piercer-Karriere zu erzählen. „Meine schönsten Erlebnisse habe ich immer, wenn mir Menschen um den Hals fallen und mir sagen, wie schön es geworden ist. An einem Tag kam eine junge Frau zu mir, die drei Narben hatte. Wir haben sie mit einer „Scarification“ verschönert. Sie war so glücklich danach! Sogar ihre Mutter hat sich extra bei mir bedankt!“ André strahlt über das ganze Gesicht. Bald darauf verabschiedet er sich und geht wieder an die Arbeit.

Nun wird Shop-Manager Fabian gefragt, welches sein schönstes Erlebnis in seinem Beruf  bis jetzt war. Er antwortet ohne nachzudenken. „Das Schönste dabei ist, dass ich einen Job habe, den ich extrem gerne mache und bei dem ich so sein kann, wie ich möchte.”

Wir können gespannt sein, was die nächsten Tattoo-Jahre so mit sich bringen. Vielleicht werden sich die Menschen in Zukunft noch ein anderes außergewöhnliches Muster tätowieren lassen, was auch zum Trend werden wird. Denn wie Shop-Manager Fabian sagt, sind Tattoos „ein Luxus, den man sich leistet, eine Kunstform in der Dienstleistungsbranche“. Er kann das Unverständnis einiger Leute gegenüber Tattoos nicht verstehen, die diese ablehnen und negativ betrachten. Nichtsdestotrotz ist und bleibt es ein Massenphänomen.

Recht hat er. Wir wünschen „Classic Tattoo“ auch weiterhin alles Gute und viele erfolgreiche „Tattoo-Jahre“.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Lust auf mehr? Dann informiere dich auf der Webseite von „Classic Tattoo“. 

www.classictattooberlin.de

 

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s