Wenn Hartz 4 zum Kleingeld-Zählen wird- Ein Erfahrungsbericht einer Berlinerin

Eine arbeitslose Berlinerin über ihren Alltag mit Hartz 4                                                                

Beate H. bekommt den Regelsatz von Hartz 4 und versucht damit die Kosten ihrer Wohnung und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch das klappt nicht immer.

centss

„Noch 19 Cents bitte!“ sagt die Kassiererin und schaut mit fragendem Blick Beate H. (52) an. Schnell kramt sie in ihrem Geldbeutel und in ihrer Jackentasche nach ihren letzten Cents. Wo ist nur das Kleingeld, sie hatte es doch in ihrem Portemonnaie, denkt sie. Sie wird langsam nervös. Ihr ist es peinlich, die Kasse noch länger zu blockieren. Schließlich findet sie drei Fünf-Cent-Stücke, zwei Zwei-Cent-Stücke und ein Ein-Cent-Stück in dem hintersten Winkel ihres Geldbeutels, und legt sie in die ausgestreckten Hände der Kassiererin, die  schon ungeduldig darauf wartet. In dieser unangenehmen Situation befindet sich Beate H. immer öfter an der Supermarktkasse. Vor allem am Ende des Monats, wenn das Geld knapp wird. Manchmal bezahlt die Arbeitslose ausschließlich mit Kleingeld ihren Einkauf.

Seitdem die 52-jährige Berlinerin ihren Job verloren hat, ist sie auf die Unterstützung vom Staat angewiesen. Schon fast drei Jahre ist das her. Die ausgebildete Köchin hatte in ihrem Leben schon viele Jobs, wie sie stolz sagt, in Kantinen, bei Schulen und in Altersheimen. Doch wegen ihres Alters findet sie keinen mehr. „Als ich gekündigt wurde, fing mein persönlicher Leidens-Trip an“, erzählt sie. Damit meint die Berlinerin ihre Geldsorgen. „Für meine Verhältnisse reicht es definitiv nicht. Ich würde zu gerne wissen, wie es andere schaffen, mit so wenig Geld auszukommen.“

Leben am Existenzminimum mit Hartz 4 – trotz Organisation

Jeder einzelne Tag muss genau durchgeplant werden. Ständig beschäftigt sich die Berlinerin mit der Frage: „Wie hoch ist mein Limit heute?“ In Deutschland beziehen ca. 4,4 Mio. Menschen Arbeitslosengeld II, jeder Sechste davon lebt in Berlin. Das ist ein Leben am Existenzminimum, erklärt Beate H. „Und den Hartz 4 – Rechner kann man nicht so genau nehmen. Wenn da einmal etwas nicht so abläuft, ich es geplant habe, dann bin ich für den Rest des Monats fast pleite.“ Das endet damit, dass die Hartz-4-Empfängerin die letzten Tage des Monats nur Linsen und Bohnen zu Essen hat. „Ich versuche es, mit Humor zu nehmen, weil Hülsenfrüchte gesund sind.“ Beate H. bekommt außer der Mietkosten und den Nebenkosten den Regelbedarf von 382 Euro monatlich. Damit muss sie Nahrungsmittel, Kleidung und Fahrkosten bezahlen. Um zu sparen, geht die Arbeitslose oft zu Fuß. Das Geld für das Busticket gibt sie lieber für Lebensmittel aus oder spart es für anstehende Nachzahlungen. „Von den 36 Euro kann ich im Notfall eine Woche lang Nahrung kaufen“.

Immer mehr Alleinstehende wenden sich an Hilfsorganisationen und lassen sich beraten, wie sie noch mehr sparen können bzw. wo sie Hilfe bekommen. „Besonders die Langzeit-Arbeitslosen nehmen diese Beratung in Anspruch“, sagt Jürgen S. (45), welcher in der Verbraucherzentrale Berlin arbeitet. Eine große Hilfe sei der Verein „Berliner Tafel“. „Die Tafel sammelt Lebensmittel in Form von Spenden und verteilt sie an die Bedürftigen, das sind auch viele Hartz-4-Empfänger. Das einzige was man dafür braucht: den Hartz-IV-Bescheid und den Personalausweis. Mit nur zwei Euro bekommt man Lebensmittel. Das ist eine gute Sache.“                                                                                                                         Beate H. möchte ebenfalls zur „Tafel“ gehen. Nichtsdestotrotz hofft sie, bald wieder Arbeit zu finden.

Advertisements
Kurzmitteilung | Dieser Beitrag wurde unter KRISEN abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Wenn Hartz 4 zum Kleingeld-Zählen wird- Ein Erfahrungsbericht einer Berlinerin

  1. kysper@web.de schreibt:

    Ein toller Ansatz, um Geld im neuen Jahr zu sparen ist es, die laufenden Kosten von Verträgen oder Versicherungen zu senken. Durch Vergleichsportale im Internet wird diese Arbeit wirklich einfach gemacht. Eines dieser günstigen Vergleichsportale ist z.B. vergleich.pir3.de

    Bei maximaler Ausbeute bei einem Vergleichsportal können Sie bis zu 1.000 Euro pro Jahr alleine bei Gas und Stromanbietern sparen. Dabei aber unbedingt auf die Zahlungsweise gucken. Tarife auf Vorkasse sind meist insgesamt günstiger, doch im Falle einer Insolvenz des Versorgers ist auch die geleistete Vorkasse futsch, so geschehen vor einigen Jahren bei TeldaFax.

    Bei Versicherungen ist noch einiges mehr drin. Dort können Sie allein durch die KFZ-Versicherung, Hausrat und Haftpflicht über 1.200 Euro sparen.

    Die Preise zu vergleichen kann sich also richtig lohnen und den Geldbeutel deutlich entlasten.

Hinterlasse einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s